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Kaufpreisfaktor und Mietrendite: So bewertest du jedes Objekt in 5 Minuten

Kaufpreisfaktor, Brutto- und Nettomietrendite — drei Kennzahlen, die dir sofort zeigen, ob ein Objekt sein Geld wert ist. Mit Formel, Beispiel und Richtwerten nach Lage.

01.07.20255 Min. Lesezeit

Erfahrene Immobilieninvestoren wissen beim ersten Blick auf ein Exposé, ob ein Objekt interessant ist oder nicht. Das Geheimnis dahinter: Sie rechnen sofort drei Kennzahlen aus — Kaufpreisfaktor, Bruttomietrendite und Nettomietrendite. Mit diesen drei Zahlen kannst du jedes Objekt in unter 5 Minuten einordnen, bevor du einen einzigen Besichtigungstermin vereinbarst.

Kennzahl 1: Der Kaufpreisfaktor (Multiplikator)

Der Kaufpreisfaktor gibt an, wie viele Jahreskaltmieten du für die Immobilie bezahlst. Er ist das schnellste Screening-Tool.

Formel:

Kaufpreisfaktor = Kaufpreis ÷ Jahresnettokaltmiete

Ein Kaufpreisfaktor von 20 bedeutet: Du zahlst das 20-fache einer Jahresnettokaltmiete. Je niedriger der Faktor, desto mehr Miete bekommst du für dein eingesetztes Kapital — und desto höher ist tendenziell die Mietrendite.

Kennzahl 2: Bruttomietrendite

Die Bruttomietrendite ist der Kehrwert des Kaufpreisfaktors, ausgedrückt in Prozent. Sie berücksichtigt noch keine Kosten — daher „brutto".

Formel:

Bruttomietrendite = (Jahresnettokaltmiete ÷ Kaufpreis) × 100

Kennzahl 3: Nettomietrendite

Die Nettomietrendite ist die realistischere Kennzahl — sie bezieht Kaufnebenkosten sowie laufende nicht umlegbare Kosten mit ein.

Formel:

Nettomietrendite = (Jahresmiete − Verwaltung − Instandhaltung) ÷ (Kaufpreis + Kaufnebenkosten) × 100

Rechenbeispiel Schritt für Schritt

Annahmen: Kaufpreis 250.000 €, Wohnungsgröße 60 m², Kaltmiete 850 €/Monat, Kaufnebenkosten 10 %, Verwaltung 720 €/Jahr, Instandhaltung 600 €/Jahr.

SchrittBerechnungErgebnis
Jahreskaltmiete850 € × 12 Monate10.200 €/Jahr
Kaufpreisfaktor250.000 € ÷ 10.200 €24,5×
Bruttomietrendite(10.200 € ÷ 250.000 €) × 1004,08 %
Kaufnebenkosten (10 %)250.000 € × 0,1025.000 €
Gesamtinvestition250.000 € + 25.000 €275.000 €
Nicht umlegbare Kosten720 € Verwaltung + 600 € IH1.320 €/Jahr
Nettomietrendite(10.200 − 1.320) ÷ 275.000 × 1003,23 %

Interpretation: Ein Kaufpreisfaktor von 24,5× und eine Nettomietrendite von 3,23 % sind für eine B-Lage in Ordnung. Hinzu kommen Steuervorteile (AfA, Zinsen), die die effektive Rendite auf Eigenkapital auf 6–8 % heben können. Ohne diese Steuerkomponente wäre das Objekt weniger attraktiv — was zeigt, warum man nie die Bruttorendite allein betrachten darf.

Richtwerte nach Lagetyp (empirica 2024 / CBRE 2024)

LagetypBeispielstädteKaufpreisfaktorBruttomietrenditeWertsteigerungspotenzial
A-LageBerlin, München, Hamburg, Frankfurt25–35×2,9–4,0 %hoch (3–5 %)
B-LageLeipzig, Nürnberg, Hannover, Dresden18–25×4,0–5,6 %mittel (1,5–3 %)
C-LageMittelstädte, ländliche Regionen12–18×5,6–8,3 %niedrig bis negativ

Wichtiger Hinweis: Diese Richtwerte sind Marktdurchschnitte (empirica-Systeme 2024). Einzelne Objekte können erheblich abweichen. Ein Kaufpreisfaktor von 30× in München kann trotz niedriger laufender Rendite attraktiv sein, wenn die Wertsteigerung historisch 4–5 % p.a. beträgt.

Warum der Kaufpreisfaktor allein nicht alles sagt

Ein niedriger Kaufpreisfaktor (hohe Mietrendite) ist kein Selbstzweck. Es gibt vier weitere Dimensionen, die du immer mitbewerten musst:

  • Wertsteigerungspotenzial: Ein Objekt mit 3 % Mietrendite aber 4 % Wertsteigerung p.a. kann eine C-Lage mit 8 % Mietrendite und 0 % Wertsteigerung langfristig schlagen
  • Steuerlicher Hebel: Bei 42 % Grenzsteuersatz erhöht sich die effektive EK-Rendite jedes Objekts um 1,5–2 Prozentpunkte — unabhängig vom Kaufpreisfaktor
  • Leerstandsrisiko: Eine 7-%-Rendite mit 15 % Leerstandswahrscheinlichkeit ist weniger wert als 4 % mit Vollvermietungsgarantie in einer Universitätsstadt
  • Mietsteigerungspotenzial: Wie weit liegt die aktuelle Miete unter der Vergleichsmiete? Indexmietverträge oder nachvermietungsfähige Wohnungen haben höheres Potenzial

Die 5-Minuten-Bewertung in der Praxis

So gehst du in der Praxis vor, wenn du ein Exposé auf dem Tisch hast:

  • Schritt 1: Kaufpreis ÷ Jahreskaltmiete = Kaufpreisfaktor → passt er zur Lage?
  • Schritt 2: Kaufpreis + 10 % Nebenkosten = Gesamtinvestition
  • Schritt 3: (Jahreskaltmiete − 1.500 € Pauschalkosten) ÷ Gesamtinvestition = Nettomietrendite (grobe Schätzung)
  • Schritt 4: Wenn KPF und Rendite im grünen Bereich → detaillierte Prüfung (WEG, Mietvertrag, Lage)
  • Schritt 5: Steuerlichen Hebel berechnen → effektive EK-Rendite ermitteln

Wer diese drei Kennzahlen beherrscht, kann 80 % der Objekte in 5 Minuten aussortieren — und konzentriert seine Zeit auf die wirklich interessanten Deals.

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