Warum Due Diligence? Die Kosten einer schlechten Prüfung übersteigen die Kosten einer guten bei weitem. Eine übersehene Großsanierung, ein problematischer Mieter oder eine fehlerhafte Teilungserklärung können dich schnell mehrere zehntausend Euro kosten. Eine strukturierte Prüfung dagegen kostet maximal einige Stunden Zeit.
Die 15-Punkte-Checkliste im Detail
- 1Grundbuchauszug
Fordere einen aktuellen Grundbuchauszug (nicht älter als 4 Wochen) an. Prüfe: Wer ist eingetragener Eigentümer? Gibt es Belastungen in Abteilung II (z. B. Wegerechte, Wohnrechte, Reallasten) oder III (Grundschulden)? Bestehende Grundschulden müssen bei Übergabe gelöscht oder auf dein Darlehen umgeschrieben werden.
- 2Teilungserklärung und Gemeinschaftsordnung
Die Teilungserklärung definiert, was zum Sondereigentum (deine Wohnung) und was zum Gemeinschaftseigentum (Treppenhaus, Dach, Fassade) gehört. Die Gemeinschaftsordnung regelt Nutzungsrechte und -pflichten. Achte auf Sondernutzungsrechte (Stellplatz, Garten, Keller) und eventuelle Einschränkungen (z. B. Vermietungsverbote, Gewerbenutzungsverbote).
- 3WEG-Protokolle der letzten 3 Jahre
Die Protokolle der Eigentümerversammlungen sind eine Goldgrube. Suche nach: Beschlüssen über anstehende Sanierungen, Streitigkeiten zwischen Eigentümern oder mit der Verwaltung, Beschlüssen über Sonderumlagen, Problemen mit einzelnen Eigentümern (Hausgeldrückstände). Wenn Protokolle verweigert werden — Vorsicht.
- 4Jahresabrechnungen der letzten 3 Jahre
Die Jahresabrechnungen nach §28 WEG zeigen dir, wie hoch die monatlichen Hausgeldzahlungen waren und wie sie verwendet wurden. Wichtig: Wie hoch war die jährliche Zuführung zur Instandhaltungsrücklage, und wie entwickelt sich der Rücklagenbestand? Steigende oder konstant niedrige Rücklagen sind ein Warnsignal.
- 5Wirtschaftsplan aktuell
Der aktuelle Wirtschaftsplan zeigt die geplanten Einnahmen und Ausgaben der WEG für das laufende Jahr und das voraussichtliche Hausgeld. Vergleiche das Hausgeld mit dem marktüblichen Niveau für vergleichbare Objekte — auffällig niedrige Hausgelder können auf unzureichende Rücklagenbildung hindeuten.
- 6Mietvertrag (bei vermietetem Objekt)
Prüfe: Wie hoch ist die aktuelle Miete im Vergleich zum Mietspiegel? Gibt es Staffel- oder Indexmietenvereinbarungen? Wie lange läuft der Mietvertrag, gibt es Kündigungsschutzklauseln? Gibt es Sondervereinbarungen (Mietereinbauten, Untervermietungsrechte, reduzierte Miete für Gegenleistungen)?
- 7Mietschulden und Kautionsstand
Bestehen beim Mieter Mietrückstände? Wie hoch ist die hinterlegte Kaution, und wo liegt sie (Mietkautionskonto)? Als Käufer übernimmst du das bestehende Mietverhältnis nach dem Grundsatz „Kauf bricht nicht Miete" (§566 BGB) — also auch eventuelle Probleme.
- 8Energieausweis
Der Energieausweis (Bedarfs- oder Verbrauchsausweis) ist Pflicht bei Verkauf oder Vermietung. Achte auf die Effizienzklasse (A+ bis H) und das Baujahr. Schlechte Effizienzklassen (F, G, H) könnten künftig zu Sanierungspflichten führen (GEG) und die Vermietbarkeit einschränken.
- 9Sanierungsgebiet und Milieuschutzsatzung
Liegt das Objekt in einem förmlich festgelegten Sanierungsgebiet oder in einem Milieuschutzgebiet (soziale Erhaltungssatzung)? Milieuschutzsatzungen können Modernisierungen einschränken, die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen blockieren und kommunale Vorkaufsrechte begründen.
- 10Baugenehmigungen und Bauabnahmen
Wurden Umbauten (Dachgeschossausbau, Anbau, Kellerausbau) genehmigt und abgenommen? Nicht genehmigte Einbauten können nachträglich Bußgelder oder Rückbaupflichten auslösen. Fordere bei Umbauten immer die Baugenehmigung an.
- 11Bebauungsplan und Nachverdichtungsmöglichkeiten
Ein Blick in den Bebauungsplan kann wertvolle Informationen liefern: Ist das Grundstück bereits maximal ausgenutzt? Gibt es Nachverdichtungspotenzial (wertsteigernd)? Drohen störende Nachbarbebauungen, die den Wohnwert mindern?
- 12Instandhaltungsrücklage: Höhe prüfen
Als Faustformel gilt: Mindestens 7–10 €/m² Wohnfläche sollten als Rücklage für das gesamte Gebäude vorhanden sein. Bei älteren Gebäuden oder bekanntem Sanierungsbedarf deutlich mehr. Eine niedrige Rücklage ist ein direktes finanzielles Risiko für dich als künftigen Eigentümer.
- 13Versicherungen der WEG
Prüfe, ob die WEG über eine Gebäudeversicherung (inkl. Elementarschäden) und eine WEG-Haftpflichtversicherung verfügt. Fehlende oder unzureichende Versicherungen sind ein erhebliches Risiko, das von der Eigentümergemeinschaft gemeinsam getragen werden muss.
- 14Mietspiegel und Vergleichsmieten
Überprüfe die aktuelle Miete anhand des qualifizierten Mietspiegels der Stadt oder vergleichbarer Angebote. Ist die Miete bereits am Mietspiegeloberfeld? Wie viel Mieterhöhungspotenzial besteht noch? Eine Miete deutlich unter Markt kann gut (Potential) oder ein Warnsignal sein (warum so niedrig?).
- 15Bonität des Mieters
Bei bestehendem Mietverhältnis: Frage nach der Schufa-Auskunft des Mieters, die beim Einzug vorlag, und nach der Miethistorie. Ein Mieter mit regelmäßiger pünktlicher Zahlung ist ein Qualitätsmerkmal. Rückstände in den WEG-Unterlagen sind ein klares Warnsignal.
Was tun bei festgestellten Mängeln?
Mängel bedeuten nicht automatisch, dass du vom Kauf absehen musst. Sie sind Verhandlungsmasse. Schätze den finanziellen Aufwand zur Behebung des Mangels, berechne deinen Miteigentumsanteil daran — und reduziere den Kaufpreis entsprechend. Bei schwerwiegenden strukturellen Problemen (z. B. versteckte Bauschäden, ungelöste Eigentümerstreitigkeiten, negative Bevölkerungsprognose) ist Abstand ratsamer als ein Preisabschlag.
Profitipp: Bitte den Verkäufer oder Makler vor der Besichtigung schriftlich um Zusendung aller 15 Dokumente. Wer zögert oder Unterlagen verweigert, gibt damit bereits eine wichtige Information preis. Seriöse Verkäufer stellen alle Unterlagen vollständig und proaktiv zur Verfügung.
Quellen & Nachweise
- [1]WEG §19, §28 (Jahresabrechnung, Wirtschaftsplan)
- [2]GrundO (Grundbuchordnung)
- [3]Bundesnotarkammer: Checkliste Immobilienkauf
- [4]Haus & Grund: Leitfaden für Käufer 2024