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Annuität berechnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Immobilienkäufer

Was kostet mich mein Darlehen wirklich pro Monat? Wir erklären die Annuitätenformel, zeigen zwei Praxisbeispiele und erklären, worauf du bei Zinsen und Tilgung achten musst.

20.05.20256 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Annuität ist die gleichbleibende monatliche Rate aus Zinsen + Tilgung
  • Einfache Näherung: Monatliche Rate ≈ Darlehensbetrag × (Zins + Tilgung) / 12
  • Der Zinsanteil sinkt über die Zeit, der Tilgungsanteil steigt automatisch
  • Effektiver Jahreszins (§ 6 PAngV) enthält alle Kosten — wichtiger als der Nominalzins

Was ist die Annuität?

Der Begriff Annuität kommt vom lateinischen annus (Jahr) und bezeichnet eine gleichbleibende Jahresrate, die aus zwei Teilen besteht: dem Zinsanteil und dem Tilgungsanteil. Im Alltag spricht man von der monatlichen Rate, also der Annuität geteilt durch 12.

Das Entscheidende am Annuitätendarlehen: Die Rate bleibt über die gesamte Zinsbindungsfrist konstant. Was sich verändert, ist das Verhältnis von Zins zu Tilgung: Da die Restschuld mit jeder Zahlung sinkt, werden die Zinsen auf immer kleinere Beträge berechnet — und der Tilgungsanteil steigt automatisch.

Die Annuitätenformel

Die mathematisch exakte Formel für die monatliche Annuität lautet:

Annuitätenformel

A = K × [i × (1+i)^n] / [(1+i)^n − 1]

A = monatliche Rate (Annuität)

K = Darlehensbetrag (Kapital)

i = monatlicher Zinssatz (Nominalzins / 12)

n = Anzahl der Monate (Laufzeit in Jahren × 12)

Die praktische Näherungsformel

Für eine schnelle Überschlagsrechnung genügt die vereinfachte Formel, die für Tilgungsraten unter 3% sehr präzise ist:

Näherungsformel

Monatliche Rate ≈ Darlehensbetrag × (Zins% + Tilgung%) / 12 / 100

Beispiel: 200.000 € × (3,8 + 2,0) / 12 / 100 = 966,67 € ≈ 967 €/Monat

Praxisbeispiel 1: Kapitalanleger, 200.000 €

Ein Kapitalanleger finanziert eine Zweizimmerwohnung mit 200.000 € Darlehensbetrag. Er wählt einen Nominalzins von 3,8% und eine Anfangstilgung von 2%.

MonatRestschuldZinsanteilTilgungsanteilRate gesamt
Monat 1200.000 €633 €334 €967 €
Monat 12196.073 €621 €346 €967 €
Monat 24191.961 €608 €359 €967 €
Monat 60178.987 €567 €400 €967 €
Monat 120154.068 €488 €479 €967 €

200.000 € Darlehen, 3,8% Nominalzins, 2% Anfangstilgung. Monatliche Rate: 967 €.

Praxisbeispiel 2: Größeres Objekt, 350.000 €

Ein gut verdienender Investor finanziert eine Dreizimmerwohnung in einer B-Stadt mit 350.000 € zu 4,2% Nominalzins und nur 1% Anfangstilgung (steuerlich optimiert).

  • Monatliche Rate: 350.000 × (4,2 + 1,0) / 12 / 100 = 1.517 € (exakt: 1.517,08 €)
  • Davon im ersten Monat: 1.225 € Zinsen (absetzbar) + 292 € Tilgung
  • Jährliche Zinslast (Jahr 1): ca. 14.650 € → steuerlich absetzbar als Werbungskosten
  • Steuerersparnis bei 42% Grenzsteuersatz: ca. 6.153 €/Jahr im ersten Jahr

Zins- vs. Tilgungsanteil über die Laufzeit

Gold = Zinsanteil · Weiß = Tilgungsanteil (200.000 €, 3,8% Zins, 2% Tilgung)

0%25%50%75%100%J1J5J10J15J20J25J30

Mit steigender Laufzeit sinkt der Zinsanteil, der Tilgungsanteil wächst automatisch.

Anfangstilgung vs. effektive Tilgung

Ein häufiges Missverständnis: Die vereinbarte Anfangstilgung von 1% bleibt nicht konstant. Da die Rate gleichbleibt, aber der Zinsanteil mit sinkender Restschuld fällt, steigt der Tilgungsanteil automatisch. Diesen Mechanismus nennt man die steigende effektive Tilgung.

Bei 200.000 € Darlehen, 3,8% Zins und 2% Anfangstilgung ist die effektive Tilgung nach 10 Jahren bereits auf ca. 2,9% gestiegen — ohne dass sich die monatliche Rate verändert hat. Die Schuld wird also schneller abgebaut als die Anfangstilgung suggeriert.

Effektiver Jahreszins vs. Nominalzins (§ 6 PAngV)

Der Nominalzins beschreibt nur den reinen Zinssatz ohne Nebenkosten. Der effektive Jahreszins (gesetzlich vorgeschrieben nach § 6 PAngV) enthält zusätzlich alle regelmäßig anfallenden Kosten: Bearbeitungsgebühren, Kontoführungsgebühren und Agio. Er ist damit die entscheidende Vergleichsgröße beim Kreditvergleich.

Beispiel: Nominal vs. effektiv

Nominalzins: 3,80% — Effektiver Jahreszins: 3,87%

Die Differenz entsteht durch Zinsverrechnungsperiode (monatlich statt jährlich) und etwaige Kontoführungskosten. Beim Vergleich von Angeboten immer den effektiven Jahreszins heranziehen.

Mietrendite und Annuität: Was ein gutes Objekt leisten sollte

Eine Faustregel für Kapitalanleger: Bei einem gut gewählten Objekt sollten die Mieteinnahmen 80–100% der Annuität decken. Der restliche Eigenanteil wird durch den Steuervorteil (Zinsen + AfA) weitgehend kompensiert.

  • Beispiel: Annuität 967 €/Monat, Kaltmiete 900 €/Monat → Eigenbeitrag: 67 €/Monat
  • Dazu kommen Hausgeld (~200 €/Monat, aber Großteils auf Mieter umlegbar) und nicht umlegbare Kosten (~50 €/Monat)
  • Steuerersparnis aus Zinsen + AfA kann bei 42% Grenzsteuersatz 300–500 €/Monat ausmachen
  • Netto-Eigenbeitrag nach Steuern: oft unter 100 €/Monat für eine vollfinanzierte Kapitalanlage

Schnellrechner: Deine monatliche Rate schätzen

Multipiziere deinen Darlehensbetrag mit dem Prozentwert aus Zins + Tilgung und teile durch 1.200. Beispiel: 250.000 € × (3,9% + 2,0%) / 1.200 = 1.229 €/Monat. Diese Näherung weicht in der Regel weniger als 5 € vom exakten Wert ab.

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